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Region
Wer rettet die Kultur – oder rette sich, wer kann? Irgendwie durchwurschteln – das scheint das heimliche Motto der Kultur zu sein. Ein Streifzug durch Mainz und Wiesbaden, der fragt, was uns Kultur eigentlich wert ist.
Kunst
Jörg-Uwe Funk war seit 1988 im Kulturamt Wiesbaden, von 2018 bis 2026 Kulturamtsleitung. Oder wie er selbst sagt: „Das hat sich immer ineinander gefügt.“ Ein Rückblick mit Ausblick.
Kunst wirkt dort am stärksten, wo sie nicht belehrt, sondern Wahrnehmung öffnet. Der Essay des Wiesbadener Künstlers und Autors Edgar Diehl unterscheidet zwischen Visueller Intervention – Bildern, die Botschaften durchsetzen wollen – und Visueller Intercession, die dem Betrachter Raum für eigene Erkenntnisse lässt.
Kultur
Poetry-Slam findet längst auch in Mainz und Wiesbaden ein Publikum. Verschiedenste Veranstalter*innen und Künstler*innen bringen Texte auf Bühnen. Aber was macht Poetry-Slam aus? Ein Überblick über die Szene und die Faszination für lebendige Literatur.
Wie kann Design eine Stadt neu erfinden und die Lebensqualität ihrer Bewohner*innen nachhaltig verbessern? Das erprobt in diesem Jahr die Metropolregion Frankfurt RheinMain. Sie ist nach Städten wie Helsinki, Taipeh oder Kapstadt zur Welt-Design-Hauptstadt ernannt worden, ein Titel, den die World Design Organization mit Sitz in Montreal alle zwei Jahre vergibt. Mit dem Thema „Design for Democracy: Atmospheres for a Better Life” erhielt die Region den Zuschlag. Design wird dabei nicht nur als Gestaltung von Dingen verstanden, sondern auch als Werkzeug gesellschaftlicher Erneuerung. Den Krisen der Welt und der Gefährdung unserer Demokratie will die World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 ein positives Narrativ entgegensetzen. Gudrun Rothaug über die WDC 2026 und die Projekte in Wiesbaden.
Merħba f
Die Evolutionäre des Wiesbadener freien Kunst-Kosmos Gemessen an der Einwohnerzahl ist Wiesbaden ein bedeutender Hub für Kulturschaffende. Doch wo abseits des Schlachthofs findet man „Subkultur“? Ein Abstecher von der hiesigen Kulturroute („65“) lässt Nebenstraßen voller aufstrebender Künstler:innen entdecken – sogar über die Stadtgrenzen hinaus. Droht die Bubble des freien Kunst-Kosmos mit den sinkenden Kulturetats zu platzen? Oder erobern die gut vernetzten Underground-Kämpfer künftig aus eigenen Kräften die Stadt? Ein Blick in die Black Box der hiesigen freien Kunstszene.
Hat sich das schon einmal jemand klargemacht? Ist auch die Chefetage des Museums Wiesbaden fest in Männerhand, so festigt den Sammlungsbestand ein begeisterndes Quantum repräsentativer Arbeiten gefeierter Künstlerinnen. Das europaweit größte Konvolut von Eva Hesse befindet sich also in Hessen. Der Gipfel aber: Kein Museum besitzt mehr Werke von Rebecca Horn.
Initium et Finis – die Wunderkammer des Matthias Korb
Frühjahr und Sommer stehen in Mainz und Wiesbaden ganz im Zeichen der Festivals: Lesungen, Gespräche und ungewöhnliche Literaturorte verwandeln die Städte in eine Bühne für Geschichten.
Eltville ist nicht nur wegen seiner historischen Altstadt, der Kurfürstlichen Burg, der malerischen Rheinpromenade (auch Rheingau-Riviera genannt), Johannes Gutenberg, Wein und Sekt ein begehrter Ort im Rheingau. Die Rosenstadt hat sich mehr und mehr zu einem Kulturmagnet in der Region entwickelt. Von Dr. Andreas Lukas
Geboren und aufgewachsen im pfälzischen „Musikantenland“, ist der Gitarrist Martin Schmidt seit mittlerweile 26 Jahren von Wiesbaden aus unterwegs in aller Welt als Handlungsreisender in Sachen Rock’n’Roll – und ganz nebenbei auch in den Welten von Jazz und Journalismus. Dabei ist seine Musik nicht nur „handgemacht“, sondern in all ihren Erscheinungsformen bis ins letzte Detail selbst gemacht – ob im Trio mit The Razorblades, im Duo in „Mr. Smith’s Guitar Club“ oder solo alias „The Incredible Mr. Smith“.
Im Dezember gab es ein großes Fest: 20 Jahre kuenstlerhaus43 – 20 Jahre Theater, Impro, Kultur für Wiesbaden. Wenn Wolfgang Vielsack und Susanne Müller indes nicht noch ein Wunder erleben, ist im 21. Jahr Schluss. Zum Zeitpunkt des Festes und des Interviews geht das Betreiberpaar davon aus: Ende August 2026 ist Schicht im Palasthotel – jenem Ort, der von Anfang an nur als Ausweichquartier gedacht war. Die eigentliche Spielstätte in der Oberen Webergasse 43, wo die beiden 2005 begonnen hatten, sollte lediglich saniert werden. Danach hätte es dort mit dem besonderen Charme der eigenen Inszenierungen weitergehen sollen, denn der Ort spielte stets eine entscheidende Rolle. Im Palasthotel haben sie sich jedoch ebenfalls gut eingerichtet. Vor allem stehen hier Lagerräume, Garderoben und alles, was ein Theater außer der eigentlichen Bühne dringend braucht, zur Verfügung.
Eine solche künstlerische Lebensleistung begegnet selbst einem jahrzehntelang tätigen Kulturjournalisten recht selten: 350 Ausstellungen in 30 Ländern, darunter für deutsche Künstlerinnen und Künstler eher exotische wie Tibet, Südkorea, Ägypten, Nordafrika oder Island, an die fünfeinhalb Tausend geschaffene Werke, darunter mehr als 130 Installationen, dazu Teilnahme an verschiedensten Biennalen in aller Welt, ob Venedig, Busan, Sharjah oder Izmir. Die Rede ist von der Künstlerin Lore Bert, die im Sommer dieses Jahres ihren 90. Geburtstag feiert. Seit Jahrzehnten lebt und arbeitet sie in Mainz, manchmal auch in Venedig, wo die renommierte Mainzer Galerie ihrer Tochter Dr. Dorothea van der Koelen über eine Dependance verfügt.
Der Jazz-Pianist und Komponist Uwe Oberg wurde durch unterschiedliche, teils internationale Projekte über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Seit Mitte der Achtziger lebt er in Wiesbaden, wo er sich auch abseits der Bühne für den Jazz verdient gemacht hat. Etwa durch seine langjährige Arbeit in der Kooperative New Jazz. Die Musiker-Initiative betreibt das „art.ist“ in der Wiesbadener Walkmühle, mit anspruchsvollen Konzerten, separater Bar und Proberäumen.
Eine jugendliche Entdeckungsreise durch WiesbadenZeitverschwendung. Vielen Jugendlichen kommt dieses Wort in den Sinn, wenn sie an Literatur denken. Trockene Werke wie „Der zerbrochne Krug“ oder „Faust“ verderben ihnen die Lust am Lesen. Der Grund: Geistige Offenheit und Kreativität, die die Literatur eigentlich fördern möchte, kommen in der Schule nicht an. Gelesen wird, was im Lehrplan steht, sei es noch so realitätsfern. Die folgende Lesereise durch Wiesbaden soll zeigen: Literatur kann verbinden, und ist dabei sogar noch echt cool.
Tschüss Amerika? Viele wenden sich gerade von den USA ab. Dabei lassen sie sich jenseits bohrender Passkontrollen und Zäsuren wie dem UNESCO-Austritt oder der Zensur der Smithsonian-Museen weiterhin beglückend kulturoffen und gastlich erleben – am Lauf des Hudson sogar elysisch. New York kurz vor dem 250. Geburtstag der Nation zu erkunden, gibt zu denken und erquickt. Derweil legt die Wiesbadener Autorin Tanja Bernsau letzte Hand an ihr Porträt der Monuments Woman Edith Standen: nach dem Krieg Chefin am Central Collecting Point in Wiesbaden und danach Kuratorin am Metropolitan Museum.Von Dorothee Baer-Bogenschütz
Zwei „Salonnièren“ aus Wiesbaden und Mainz lassen Salonkultur wieder aufleben
Dem inneren Kompass folgenRicky Coleman verbindet in seiner Musik Einflüsse aus R&B und Afrobeats. Mit seinen Songs möchte der 24-Jährige Menschen ermutigen, an sich selbst zu glauben. Denn Musik schafft Nähe – zu anderen, aber vor allem auch zu uns selbst.
Expressis verbisDie feuilleton-Kolumne
Statist, Student, Theatermensch – jung sein auf und hinter der Bühne
zum 125. Geburtstag der Dichterin Anna Seghers aus MainzSie gilt in der Literaturwissenschaft bis heute als eine der großen deutschsprachigen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts von Weltrang: Anna Seghers, alias Netty Reiling. Trotzdem hat sich die Stadt Mainz mit ihrer großen Tochter oft recht schwergetan. Bis heute polarisiert Anna Seghers auf Grund ihrer politischen Haltung. Auf Du und Du mit den Mächtigen der Deutschen Demokratischen Republik war sie für die einen Staatsdichterin und literarisches Aushängeschild der DDR, für andere das Feindbild einer verbohrten Kommunistin. Doch wer war sie wirklich? Der Versuch einer biographischen Annäherung
Weltberühmte Kirchenfenster, ein Fußballspiel mit Live-Orgelbegleitung, Kunstausstellungen oder einen Operngottesdienst, das kann man in Kirchen in Mainz und Wiesbaden erleben. Hier erklingen die weltgrößten Instrumente und in manchen Kirchen auch Jazz und populäre Musik. Weltweit einzigartig in Deutschland sind die vielen Kirchenbauten der Moderne, die heute durch den zunehmenden Bedeutungsverlust der Kirchen mancherorts auf dem Prüfstand stehen. Gudrun Rothaug hat einen Streifzug durch die Kirchenlandschaft in Mainz und Wiesbaden unternommen und stellt einige faszinierende Bauten und besondere Veranstaltungen vor. Von Gudrun Rothaug
Gesellschaftlich relevantDer Kunstverein Bellevue-Saal ist eine feste Größe für zeitgenössische Kunst in Wiesbaden
Wiesbaden und seine Partnerstädte: Ein Plädoyer für lebendige Begegnungen zwischen Menschen jenseits offizieller Netzwerke
In der letzten feuilleton-Ausgabe berichteten wir über die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung als „Hüterin“ des gesamten deutschen Filmerbes – das umfasst rund 6.000 Zeitdokumente von unschätzbarem kulturellem und historischem Wert, darunter UNESCO-Weltdokumentenerbe. Doch das ist nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte böte genug Stoff für einen Krimi, dessen Drehbuch noch nicht geschrieben ist. Rund 80.000 Filmrollen lagern seit dem Zweiten Weltkrieg in den Archiven und lassen sich mangels finanzieller Mittel weder restaurieren noch digitalisieren. Der filmisch dokumentierten Vergangenheit von uns Deutschen ist somit ein natürliches Verfallsdatum gesetzt – mit dem sich zersetzende Filmträgermaterial „Zellulose-Nitrat“. Hoffen wir auf ein Happy End für die Inhalte und die heimliche Hauptstadt des Films: Wiesbaden.
Frédéric Zipperlin ist von alten Karussells fasziniert. Aber ein Karussel in der Manege eines Zirkuszeltes? Auch Ideen wie diese machen den Cirque Bouffon zu etwas ganz Besonderem.(Fotos: ®Dmitry_Shakhin)
Die Sammlerszene in den Landeshauptstädten von Hessen und Rheinland-Pfalz ist sehr vielfältig. feuilleton stellt in den Ausgaben Nummer 8 und 9 ganz verschiedene Sammlertypen vor. Ihnen gemeinsam ist: Die Kunstkäufer verstehen den Erwerb oft als Investment – in den Seelenhaushalt nämlich. Ganz gleich, ob professionelle Sammler oder Kunstliebhaber mit kleinem Budget: Es zählt, was die Kunst jenseits des monetären Aspekts anstößt.
Wenn Vroni Frisch als „gefragte Bass-Sidewoman“ angekündigt wird, ist das nur die eine Hälfte der Wahrheit. Die 35-jährige Mainzerin steht als Bandleaderin immer wieder in der ersten Reihe, ist zudem als Komponistin, Arrangeurin und Dozentin gefragt. In wechselnden Formationen bringt sie die fünf oder auch sechs Saiten, die ihr die Welt bedeuten, auf Bühnen im ganzen deutschsprachigen Raum mit so ziemlich allem
In unserer neuen Serie INSIGHT: GALLERY stellen wir Protagonisten der Kunstszene in Mainz und Wiesbaden vor. Ausstellungsmacherinnen und Macher, die dem, was wir lieben, was uns begeistert, ein Forum geben – und es in den öffentlichen Raum bringen. In persönlichen Interviews erzählen sie von ihrem Leben und ihrer Arbeit mit Kunst und erlauben einen Blickhinein: INSIGHT: GALLERY Diesmal sprachen wir mit Dr. Annette Emde, Besitzerin der EMDE Gallery in der Mainzer Neustadt. Sie hat ihre Galerie vor fünf Jahren gegründet.
Von Woody Allen über Leonard Bernstein und Barbra Streisand bis hin zu Kurt Weill und Billy Wilder: Bemerkenswert viele Menschen mit jüdischen Wurzeln – Exilanten oder Mitglieder aus Familien mit Emigrantenschicksal – schufen Filmkunst zum Niederknien, waren und sind aufregende Charakterdarsteller, schenken uns Klänge, die die Welt verzaubern und damit Unterhaltung auf höchstem Niveau. Soeben gewann mit Mikey Madison eine junge Jüdin den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Doch wer hat hier Herkunft auf dem Schirm?
Der Newcomer Emil Kohlmeyer alias „Keywave“ aus Mainz mischt die lokale Musikszene auf! Von mehreren Live-Auftritten bis hin Hunderttausenden an Streams legt der 17-jährige den Anfang einer steilen Karriere hin. Im Interview verrät er uns, wie man Musik heutzutage produziert und vermarktet und erzählt über sein Verhältnis zur deutsch-französische Freundschaft.
Nach seinem autofiktionalen Roman „So, und jetzt kommst du“ und dem Roman „Seemann vom Siebener“, einer freien Erzählung, veröffentlichte Arno Frank im Februar 2025 den historischen Roman „Ginsterburg“. Dem Publikum stellte er ihn beim Literaturfestival 2025 seiner Heimatstadt Kaiserslautern vor und dann im Literaturhaus Villa Clementine seiner Wahlheimat Wiesbaden - vor ausverkauftem Haus.
Mit der Produktion „Chronicles“ feiert das Hessische Staatsballett, zu gleichen Teilen in den Staatstheatern Wiesbaden und Darmstadt präsent, in dieser Spielzeit sein 10-jähriges Jubiläum. Es ist viel passiert in diesem Ensemble während der vergangenen zehn Jahre – Anlass genug für eine kleine Rückschau mit Ausblick in die Zukunft.
Braucht es ein neues Wirtschaftswunder? Wiesbaden hat schon eins! Und was für eins: Jedes Jahr im Sommer gibt‘s das „Café Wirtschaftswunder“ auf dem Lehrplatz. Dabei geht’s allerdings nicht um Wachstum, sondern um die schönen Dinge der 1950er: Swing, Rock’n’Roll und ein Miteinander in der Nachbarschaft.
Wenn es so richtig laut ist im Museum, Kinder mit Farben pantschen oder Jugendliche mit Skizzenblöcken eine Rallye von der präparierten Giraffe zum Jawlensky-Gemälde machen – dann ist Museumsdirektor Dr. Andreas Henning glücklich. Über 180 Kindergeburtstage und mehr als 850 pädagogische Gruppen waren 2024 im Haus mit der überlebensgroßen Goethe-Statue vor der Tür.
Frank Brabant liebt Kunst und Kuscheltiere – hier verrät der berühmte Wiesbadener Kunstsammler und legendäre Disco-König, über den jetzt Andreas Clarysse einen Film gedreht hat, was so alles seine Seele berührt.
Wo kann man in Rheinhessen einen echten Picasso, Warhol, Jawlensky oder Nolde anschauen und gleichzeitig einen zweitausend Jahre alten Sarkophag aus Ägypten oder eine beeindruckende chinesische Kaninchen-Skulptur aus dem 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erstaunen? Es gibt bestimmt nicht allzu viele Kulturenthusiasten, die auf diese Frage sofort eine Antwort liefern können. Denn das Museum „Obentraut 3“ in Großwinternheim, das auch unter „Kunst im alten Weingut“ firmiert, ist in der Region RheinMain noch ein Geheimtipp.
„Wiesbadener Urgestein“ – Zugegeben: das klingt ziemlich abgedroschen, aber zutreffend ist es schon, auch wenn es hier um einen gebürtigen Saarbrücker geht. Ganze Generationen von Wiesbadener Musikfans sind mit dem unverwechselbaren Sound
Frauen, Freude, Friede am Staatstheater!? Das neue Intendantinnentandem erbt einige Altlasten, auch finanzielle. Fix soll es den Betrieb kitten. Allemal bedeutet der Leitungs- auch einen Paradigmenwechsel. Jetzt gilt das „dialogische Prinzip“: nicht zuletzt ein Seitenhieb auf die vorige Intendanz. Uwe Eric Laufenberg hatte Kunstministerium, Künstler und Kritik gegen sich aufgebracht und schied dann vorzeitig aus. Dorothea Hartmann und Beate Heine starten mit 48 Premieren.
Der Komponist und Künstler Ari Benjamin Meyers veranschaulicht in der Ausstellung „Always Rehearsing“ Strukturen der Musik mit den Mitteln der bildenden Kunst. Er materialisiert das Musizieren, Komponieren und Proben in Objekten und beschreibt mit seinem weiten Verständnis von Musik die „Probe“ als Freiraum, der Begegnung und Veränderung ermöglicht.
Winterzeit ist Kinozeit! Und in den beiden Landeshauptstädten vor allem eines: Filmfestivalzeit! Bevor der Weihnachtsmarkttrubel losgeht und der Geschenkekaufrausch zu eskalieren droht, gibt es doch nichts Schöneres, als sich in einen gemütlich-plüschigen Kinosessel zu lümmeln, sich auf großer Leinwand verzaubern zu lassen und mit Gleichgesinnten über das Gesehene zu diskutieren.
In dieser Ausgabe stellen wir zum Abschluss des Projekts Kunst x 2 Dirk Brömmel und Edgar Diehl vor, welche wie bisher, unseren „Kunst x 2-Fragebogen“ beantworteten – eine Spurensuche zu Leben, Kunst und ars vivendi.
Von Ludwig van Beethoven stammt die Aussage „Die Hoffnung rührt mich, sie nährt die halbe Welt, und ich hab sie mein Lebtag zur Nachbarin gehabt, was wär sonst aus mir geworden.“ Dieser Blick des Komponisten schimmerte auch in diesem Sommer, der nicht nur hell und warm war, immer wieder in der Literaturszene der Region durch.
Expressis verbis – Die feuilleton-Kolumne von Dorothee Baer-BogenschützEn passant gerade einen 1937 Ford Sedan erworben. Petrolfarben, ladenneu. Für eine Handvoll Euro. Dutyfree! Der Oldtimer stand ganz unwiderstehlich am Flughafen herum. Neben Parfümtester und Barbie-Puppen. Jetzt steht der Matchbox-Impulskauf in der Wohnung als Staubfänger.
Versucht eine Journalistin, einen Impro-Theaterabend zu beschreiben, ist das meist sehr schwierig. Dann wird oftmals Zuflucht zu einer „knalligen“ Überschrift genommen, so dass man meinen könnte, hier habe sich etwas komplett Absurdes oder der Schenkelklopf-Abend des Jahrhunderts ereignet. Jedoch: Improtheater ist gar nicht so „knallig“. Es ist viel mehr als der „schnelle Gag“. Da sind sich alle einig, die für diesen Artikel interviewt wurden.
Die Christenheit feiert seit fast Zweitausend Jahren 49 Tage nach Ostersonntag jedes Jahr die Aussendung des Heiligen Geistes, für Fans der gepflegten politischen Festivalkultur ist seit gut 50 Jahren an jedem Pfingsten das „Open Ohr“ in Mainz angesagt.
Für die einen ist es der Ausdruck eines Lebensstils und eine Kunstform, für die anderen ein Ärgernis und Sachbeschädigung. Was Graffiti kann, zeigt das alljährlich im Sommer stattfindende Festival „Meeting of Styles“ in Mainz-Kastel. Gestartet in den 1990er Jahren ist das Graffiti- und Street-Art-Festival längst legendär und lockt Künstler*innen aus der ganzen Welt in die hessische Landeshauptstadt. Und nicht nur das: Inzwischen gibt es das „Meeting of Styles“ in 40 Ländern auf allen Kontinenten.
Expressis verbis – Die feuilleton-Kolumne...und gemeinsam auf dem Fluxus-Klavier spielen. Denn Fluxus verbindet Kaunas, Litauens schöne Stadt an der Memel, mit Wiesbaden und ebenso mit Bad Nauheim. *George Maciunas
Die Poetikdozentur gilt als besonderer Beitrag im kulturellen Leben Wiesbadens. Sie wird von der Hochschule RheinMain gemeinsam mit dem Kulturamt Wiesbaden durchgeführt. Leif Randt ist im Jahr 2022/23 der 23. Poetikdozent an der Hochschule RheinMain. In seinen Poetikvorlesungen geht es um anheimelnde Sätze, Glamour und Behaglichkeit sowie um Idiotie und Melancholie.
Die Zeit, in der wir leben, ist zu einer extrem dynamischen geworden. Die Welt um uns herum verändert sich rapide. Sie wird dabei nicht unbedingt freundlicher. In solchen Perioden ist es für viele verlockend, entweder alles zu ignorieren, was um sie vor sich geht, oder sich an überholten Gewohnheiten und Vorstellungen festzuklammern. „Stört Literatur und Kunst etwa nur?“ – geht es manchen durch den Kopf. „Augen zu und durch“ führt als Strategie aber kaum mehr weiter. Genau hier setzen Literatur und Kunst an als Auseinandersetzung mit der Welt und den Geschehnissen.
Die Mainzer Delattre Dance Company – eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Keine Frage: Polina Semionova ist die berühmteste Ballerina dieses Landes. Allein ihr Auftritt im Musikvideo von Herbert Grönemeyers „Demo (Letzter Tag)“ bescherte ihr ein vielfaches digitales Millionenpublikum. Seitdem hat sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen gesammelt, zuletzt den einer Kammertänzerin des Berliner Staatsballetts.
In inklusiven Theatern stehen Behinderte und Nichtbehinderte auf und/oder hinter der Bühne. Viele Städte kommen ohne ein solches Theater aus, in Wiesbaden leistet man sich gleich mehrere: Theater Anders, Theater Franz und die Theatergruppe Zeitlos. Im Oktober beschäftigt sich zudem auf der anderen Rheinseite ein ganzes Festival mit inklusivem Theater, „Grenzenlos Kultur“ präsentiert sich vom 12. bis zum 22. Oktober.
Mainz-Wiesbaden ist weltberühmt für seine Glas(kunst)produktion – wiewohl, wer hier lebt, das kaum wahrnimmt. Industrieglas vom Mainzer Global Player Schott ist eben - so begehrt wie die Kunstwerke, die die Taunussteiner Firma Derix Glasstudios im Künstlerauftrag umsetzt
Mit einem Fragenkatalog in der Tasche trat ich ins Schloss, um mich mit Matthias Schenk zu treffen – heraus kam ich mit einer Unterhaltung über die wahre Ent-Wicklung des Ichs, Ohrenwachstum im Mutterleib, dm-Drogerien oder die neue Lust am Einfangen der Sinne. Was er erzählt, klingt nach künstlerischer Lebensaufgabe ebenso wie nach geschickter Umwidmung des Zeitgeistes in ein sinnstiftendes Rundumprogramm. Auszüge aus einem mäandernden Gespräch.
Künstler brauchen Netzwerke. Für die inhaltliche Arbeit oder mehr für‘s Organisatorische. Sowie auch für die Seele. Sie fliegen hoch und jemand muss sie auffangen, wenn sie einmal fallen. Mitunter schätzen sie die Geborgenheit der Gruppe auch unter einer Brücke. In Wiesbaden und Mainz hat Gruppenbildung Tradition. Zwei prominente Künstlergemeinschaften feiern demnächst bedeutende Jubiläen.
Eine Lebensgeschichte zwischen Prager Frühling und Casino in Las Vegas, zwischen „illegaler“ Einreise auf dieBahamas und Sesshaftwerden in Wiesbaden und vor allem eine Geschichte von ungebrochener Leidenschaft fürs Theater, dem Wunsch, Menschen mit den Aufführungen zu berühren und von unerschütterlichem Optimismus: Die Geschichte des Velvets Theaters in Wiesbaden erzählen uns die Gründer Dana Bufková, Bedich Hányš sowie Tochter Barbara Naughton lebhaft, engagiert und spannend.
Neugierig erwartet die Wiesbadener Kunst- und Museumsszene die Eröffnung des Museum Reinhard Ernst an der Wiesbadener Wilhelmstraße. Doch ein Termin steht noch nicht fest, da die Errichtung des architektonisch anspruchsvollen Hauses längere Zeit in Anspruch nimmt als erwartet. Feuilleton durfte vorab schon einen Blick in den Neubau werfen und stellt den Gründungsdirektor vor.
Ein Vierteljahrhundert gibt es das Bilderwerfer-Open-Air-Filmfest schon – und bis heute ist es seinem Gründungsmotiv treu geblieben: Umsonst und draußen! Und so wird es auch in Zukunft bleiben.
Bei allem aufkeimenden Hinterfragen und den vielen Erschütterungen von Gewohntem in den zurückliegenden Jahren stellt sich die Frage nach der Rolle und Bedeutung von Literatur. Wurde im Mai 2022 im Literarischen Colloquium Berlin gar von Literatur als Erkenntnismaschine gesprochen. Kann sie diesen Anspruch auch in Zukunft erfüllen? Kann sie zu einem Miteinander führen? Gibt es im Zeitalter der vernetzten Informationswelten, in einem immer tiefer automatisierten persönlichen Leben eine andere, neue Rolle der Literatur? Oder ist sie gar auf dem Weg ins Abseits zu geraten? Fragen, die viele Schreibende und Lesende beschäftigen. Wie werden wir also in Zukunft lesen und schreiben?
Wie das Kollektiv Fünfsinn die lokale Musikszene neu denkt. Auf der „Electro Ferry“ in Richtung Sonnenuntergang fahren, um den „Hot Pot“ tanzen oder tief abtauchen in das „Rabbit Hole“ – das Kollektiv Fünfsinn kreiert mit seinen unkonventionellen Eventkonzepten sowie dem Mix aus technoiden Klängen und modernen Vocals einzigartige Atmosphären, die Besucher*innen immer wieder aufs Neue für die Veranstaltungen begeistern.
Seit 15 Jahren begeistern die „Kammerspiele“ im Gemeindehaus der Bergkirche mit Stücken, die unter die Haut gehen, – meist Komödien aus Frankreich. Längst gibt es eine treue Fangemeinde, nun würdigte auch die Politik das Theaterensemble mit dem Wiesbadener Kulturpreis 2023.
Wenn man den Namen Chopin in die Suchmaske von YouTube eingibt, erhält man unzählige Angebote, gespielt von großen Namen, routinierten Pianisten oder unbekannten Amateuren. Einer dieser Namen, auf die man dann irgendwann stößt, lautet Antuanetta Mishchenko.
Arme Outtakes oder Kampf um die Hauptrolle – die Filmparabel The Ordinaries ist einer der Anwärter für den kommenden SI STAR
Christiane Schauder und Günter Minas haben sich eine Alltagstextur geschaffen, in der Beruf(ung), Freizeitinteressen und Sozialleben zusammenfließen: Beide vernetzen Kulturschaffende. Beide konzipieren spartenübergreifende Kulturprojekte. Der häusliche Balkon oder Schauders Atelier dienen ihnen ebenso als Kulturort wie das Staatstheater Mainz, dies auch als Bühne für eigene Werke und Auftritte.
Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) mit Sitz in Wiesbaden seit 1965 ist seit 1947 ein politisch unabhängiger, gemeinnütziger Verein zur Pflege und Erforschung der deutschen Sprache. Seit über 75 Jahren verfolgt sie das Ziel, das Bewusstsein und das Interesse für die deutsche Sprache bei allen, die Deutsch sprechen und lernen, zu fördern.
Die Idee ist ebenso einfach wie erfolgreich: Kinder erfahren individuelle Förderung über künstlerische Mittel und Gestaltung. Hierfür müssen sie nicht ihr Lebensumfeld verlassen, sondern werden in ihrem Stadtviertel von mobilen Kunst-Koffern aufgesucht. Vor 20 Jahren startete Titus Grab mit dieser Idee. feuilleton im Gespräch mit der Leiterin Rita Loitsch zum zwanzigjährigen Jubiläum des Projekts von Kunstraum Westend e.V. Wiesbaden.
Künstler*innen, die etwas zu sagen haben, eine große stilistische Bandbreite, ungewohnte Formate und Locations – das sind die Besonderheiten, mit denen im Mai das Magnet-Festival im und um den Schlachthof Wiesbaden herum zu überzeugen wusste. Geplant und durchgeführt von einem Team um „JazzArchitekt“ Raimund Knösche und seinen Sohn Leo Wölfel war diese erste Ausgabe des Festivals eine Bereicherung für die Region und hätte Potenzial, dies auch in den nächsten Jahren zu sein.
„Jemand geht zum Lachen in den Keller“ ist normalerweise ein Bonmot, mit dem der Volksmund humorlose Menschen beschreibt. In Mainz ist die Redewendung aber seit Jahrzehnten auch mit einer völlig anderen, äußerst positiven Bedeutung konnotiert. Freunde des Kabaretts und der Kleinkunst wissen sofort: es geht um das Mainzer unterhaus, eine der berühmtesten Spielstätten für das Genre in der Bundesrepublik.
Die Wanderausstellung „70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland“ macht Station in Wiesbaden und Mainz. Während sie einen Einblick in die Geschichte staatlich beauftragter Kunst in Deutschland gibt, zeigen die beiden Landeshauptstädte, was sie selbst an Kunst am Bau zu bieten haben. Eine Einladung, sich auf Entdeckungstour durch die eigene Stadt zu begeben, bei der Kunst erlebbar wird.
Kenneth Minor? Hat sich da etwa ein Wiesbadener Musiker mit englischsprachigen Songs einen englischen Vor- und Nachnamen als Pseudonym zugelegt, um Authentizität vorzugaukeln? „Es ist viel komplizierter!“
Der Wald leidet unter den Folgen des Klimawandels: in Deutschland gilt nur noch jeder fünfte Baum als völlig gesund. Wie können wir in dieser Situation unser Verhältnis zur Natur neu bestimmen? Wie hat die Romantik unser Naturverständnis geprägt und wie wegweisend kann das für die Zukunft sein? Darum geht es in dem großen Ausstellungsprojekt „Wälder. Von der Romantik in die Zukunft“. Drei Museen haben dafür zusammengearbeitet und beleuchten den Wald in 13 Themeninseln aus wissenschaftlicher, ökologischer und ästhetischer Perspektive.
30 Jahre Experimentierfeld Schlachthof1884: Stadtbaumeister Johannes Lemcke errichtet den Wiesbadener Schlachthof mitsamt Eisturm, Kesselhaus und Kleinviehmarkt. 110 Jahre später stehen die Hallen leer und ein unabhängiges Kollektiv an Enthusiast*innen widmet sie in ein Kulturzentrum um. 1994 entsteht der neue „Schlachter“; 2024 hat der Gründungsverein daraus einen Mega-Melting-Pot für Kulturangebote und Zeitvertreib aller Art hochgezogen – als inzwischen „größtes soziokulturelles Zentrum Hessens“ mit rund 350 Veranstaltungen pro Jahr. 30 Jahre Schlachthof – dieses Jubiläum ist es uns wert, Geschäftsführer Gerhard Schulz ein Porträt zeichnen zu lassen und uns zu fragen: Was bewegte diesen Typen eigentlich, derart straight und ohne Wenn und Aber ein Freudenfeuer der Kultur zu entzünden?
In jeder Ausgabe von feuilleton stellen wir zwei Künstlerinnen oder Künstler aus der Region Mainz-Wiesbaden in der Rubrik „Kunst mal zwei“ vor. Sie antworten auf unseren „Kunst mal zwei-Fragebogen“ – eine Spurensuche zu Leben, Kunst und ars vivendi …
Auch dieser Stätte hochgestimmter Erwartung bescherte die Pandemie starke Einbußen: dem Lichtspieltheater. Jetzt ist es wieder da – und ausgerechnet Filme über künstlerisches Schaffen betören und berauschen. Filmtheater fahren volles Programm mit eigenwilligen Existenzen, denen oft Magnetismus nachgesagt wird.
Expressis verbis – Die feuilleton-KolumneHamburg, Dresden, Greifswald, Winterthur: Dort muss jetzt hin, wer Caspar David Friedrichs 250. Geburtstag mitfeiern will