Kunst

Die Kultur sagt Danke!

Jörg-Uwe Funk war seit 1988 im Kulturamt Wiesbaden, von 2018 bis 2026 Kulturamtsleitung. Oder wie er selbst sagt: „Das hat sich immer ineinander gefügt.“ Ein Rückblick mit Ausblick.

5. Okt. 2026 2 Min. Lesezeit
Die Kultur sagt Danke!
Es gab aber auch Tiefen: Anfang der 90er-Jahre sollte auf dem Dernschen Gelände ein Neubau für die Musik- und Kunstschule entstehen – das Projekt wurde durch einen Bürgerentscheid zerschossen.

Jörg-Uwe Funk war seit 1988 im Kulturamt Wiesbaden, von 2018 bis 2026 Kulturamtsleitung. Oder wie er selbst sagt: „Das hat sich immer ineinander gefügt.“ Ein Rückblick mit Ausblick.

Was waren die Höhen und Tiefen in Ihrer Zeit im Kulturamt?
Besonders gefreut haben mich Projekte wie die Walkmühle oder der Neubau Kulturzentrum Schlachthof, wo Engagierte vor Ort die treibende Kraft waren – aber wo auch wir als Kulturamt unser kleines Scherflein dazu beitragen konnten. Es gab aber auch Tiefen: Anfang der 90er-Jahre sollte auf dem Dernschen Gelände ein Neubau für die Musik- und Kunstschule entstehen – das Projekt wurde durch einen Bürgerentscheid zerschossen. Bei der Musikschule hat sich inzwischen eine neue Tür aufgetan, beim sam warten wir noch auf die offene Tür.

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Wenn Sie vergleichen – Kulturarbeit gestern und heute, was hat sich getan? 
Heute hat Wiesbaden im Vergleich zu ähnlich großen Städten ein relativ breit aufgestelltes kulturelles Leben. An Mainz kann man sich durchaus messen lassen, damit hätte ich überhaupt kein Problem!
Bis in die 1980er bedeutete kulturelle Arbeit vor allem: Staatstheater, Landesmuseum, eine Bibliothek – in weiten Teilen war's das, und entsprechend hoch war beim Publikum das Maß an klassischem Bildungsbürgertum. Initiativen wie das heutige Thalhaus bekamen damals nur mickrigste Beträge, auch der Schlachthof musste immens kämpfen, um überhaupt signifikante Förderung zu bekommen. Im Laufe der Jahre ist das aber sehr deutlich aufgebrochen – kein Sprung, eher ein Dauerlauf.
Kultur muss sich in der Kommunalpolitik immer wieder rechtfertigen. Wie hat sich das verändert?
Es hat sich ein größeres Verständnis eingestellt. Früher hieß es oft: Die machen das ehrenamtlich, das ist ja ihr Hobby, sie sollen sich freuen. Inzwischen sagt man, auch solche Einrichtungen müssen sich professionalisieren können – und das lässt sich nicht mit einem Taschengeld bezahlen. Kultur ist nicht nur Unterhaltung oder Bildungsberieselung, sondern wichtig für Stadt- und Demokratieentwicklung, für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. All das ist heute stärker in den Köpfen. Trotzdem: Geld ist nicht vermehrbar.

Was wünschen Sie sich für die Kultur in Wiesbaden?
Im Bereich Tanz kann man ganz viel bewegen. Meine Vision ist ein Tanzhaus – nicht das, was aktuell vom Staatsballett protegiert wird, dabei geht es um einen reinen Arbeitsort –, sondern ein Ort, wo alles stattfinden kann: Aufführungsort, Arbeitsort für Ensembles, aber auch ein Ort, an dem Menschen einfach mittanzen können. Tanz bringt quer über alle Altersgrenzen, Milieus und Herkünfte Menschen zusammen, es gibt keine Sprachbarriere. Ein Ort, der Menschen für Tanz begeistert.

Abbildung: Wiesbadens Ex-Kulturamtsleiter Jörg-Uwe Funk -  Foto: Sandra Hauer, Kulturamt Wiesbaden

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