Kultur

Ins Offene und mittendrin – Literaturszene in der Kulturregion

Von Ludwig van Beethoven stammt die Aussage „Die Hoffnung rührt mich, sie nährt die halbe Welt, und ich hab sie mein Lebtag zur Nachbarin gehabt, was wär sonst aus mir geworden.“ Dieser Blick des Komponisten schimmerte auch in diesem Sommer, der nicht nur hell und warm war, immer wieder in der Literaturszene der Region durch.

6. Okt. 2024 4 Min. Lesezeit
Ins Offene und mittendrin – Literaturszene in der Kulturregion
Er ehrt jährlich Schriftsteller innen, die die deutschsprachige Literatur mit ihren Werken beeinflussen oder prägen und die sich darüber hinaus um das Zusammenwirken von Literatur und Fernsehen bemühen.

„Das diesjährige ‚Festival Ins Offene: Die Fiktion fürchtet nichts‘, das der Förderverein des Literaturhauses mit der Unterstützung vieler Ehrenamtlicher und Kooperationspartner*innen nun bereits zum vierten Mal veranstaltete, war wieder ein voller Erfolg“, so Rita Thies, Vorsitzende des Fördervereins Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine. Den Auftakt im Burggarten in Wiesbaden-Sonnenberg machte die israelische Autorin Lizzie Doron, die sich mit ihren Büchern furchtlos gegen Hass und Gewalt stellt. Damit nahm bereits die Eröffnungsveranstaltung die Besucher*innen mit, sich mit den aktuellen globalen Herausforderungen auseinanderzusetzen und ihnen ins Auge zu blicken. „Sieh deinen Feind an, und er hört auf, dein Feind zu sein“, lautet ein berührendes Zitat der Autorin. Neben John von Düffel, Alissa Walser, Alex Capus, Hans Pleschinski, Özge Ínan und vielen anderen Autor*innen sowie dem ehemaligen Intendanten Dr. Manfred Beilharz waren auch die neuen, zu diesem Zeitpunkt noch Intendantinnen in spe, des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden dabei und stellten „Literatur, auch zum Spielen“ vor. Der Gastautor aus der Partnerstadt San Sebastián Beñat Sarasola überzeugte in seiner Lesung so sehr, dass ein Verlag sein Buch nun auch auf Deutsch herausbringen möchte. „Besser kann Literaturaustausch und -förderung nicht funktionieren!“, so Rita Thies.

Vor der Zerreißprobe: Für mehr Demokratie
Das Literaturhaus Villa Clementine eröffnete die Herbstsaison mit der literarisch-politischen Gesprächsreihe „Vor der Zerreißprobe“, bei der im September jeweils am Mittwochabend kontroverse Gesellschaftsthemen wie Klimawandel, Zuwanderung oder Cancel Culture mit spannenden Gästen diskutiert würden. Auch der diesjährige Poetikdozent sorgt sich um die Demokratie. Erst jüngst wurde Necati Öziri für sein Romandebüt „Vatermal“ mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet. Die Jury begründete die Entscheidung, dass es in diesem Buch um Alltagsrassismus gehe, ohne dass das Wort Rassismus je explizit genannt werde. Hochliterarisch und doch zugleich im Sound der Straße geschrieben.  Im Wintersemester übernimmt der Schriftsteller und Dramaturg Necati Öziri nun die gemeinsame Poetikdozentur der Hochschule RheinMain und des Kulturamts der Landeshauptstadt Wiesbaden. Los geht’s mit einer Lesung am 13. November im Literaturhaus Villa Clementine, gefolgt von einer Vorlesung am 26. November in der Hochschule RheinMain.

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Getanzte Texte, getexteter Tanz
Der Literaturpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden geht in diesem Jahr an die Autorin, Lyrikerin und Performancekünstlerin Martina Hefter. In ihren Arbeiten verknüpft sie auf einzigartige Weise darstellende und textliche Verfahren. Der Preis, mit 10.000 Euro dotiert, zeichnet seit 2020 Autor*innen aus, die in ihren Werken intermedial arbeiten und Bezüge zu anderen Künsten, Medien oder Diskursen herstellen. Die Preisverleihung findet am Dienstag, den 12. November 2024 im Literaturhaus Villa Clementine statt. „Martina Hefter textet Tanz, und sie tanzt Texte. Befreiend!“, urteilt die Jury. „Ihre Texte sind schriftgewordener Tanz. Viele ihrer Figuren sind Tänzerinnen oder Choreographinnen wie sie selbst.“

Geschichten aus bewegten 40 Jahren  
Seit 1984 wird der Mainzer Stadtschreiber Literaturpreis verliehen. Er ehrt jährlich Schriftsteller*innen, die die deutschsprachige Literatur mit ihren Werken beeinflussen oder prägen und die sich darüber hinaus um das Zusammenwirken von Literatur und Fernsehen bemühen. 2024 feiern das Kulturamt Mainz, ZDF und 3sat zusammen mit dem Staatstheater in besonderen Lesungen früherer Stadtschreiber*innen dieses Jubiläumsjahr.  „Ganz verschiedene Perspektiven prägen die jeweiligen Stadtschreiberjahre, denn es kommen die unterschiedlichsten Schriftsteller*innen nach Mainz: von der Bestseller-Autorin über den urbanen Kult-Autor zum experimentellen Jungschriftsteller und der autofiktionalen Erzählerin.“

Aus Liebe zum Buch  
Johannes Gutenbergs Liebe zum Buch spürt man überall in seiner Heimatstadt. Das lokale Verlagswesen, die Buchwissenschaft, Druck- und Buchkunst, Leseförderung und die Medien zeigen eindrücklich, dass die Verbindung der Stadt Mainz mit dem Buch auch heute noch eine einzigartige Vielfalt bietet. Diese ist jedes Jahr auf der Büchermesse erlebbar, die traditionell am ersten Wochenende im November eine Plattform für alle Aspekte rund um das Thema Buch bietet.

Highlights Wiesbaden
Jeweils donnerstags 16 Uhr: Schreibwerkstatt für junge Autor*innen im Literaturhaus Villa Clementine unter Leitung des Wiesbadener Schriftstellers Alexander Pfeiffer.
30.10.2024, 18:30 Uhr, Mauritius-Mediathek:  „wi(e)der sprechen“ Eröffnungsveranstaltung zu „WIR in Wiesbaden“ in der u.a. mit der preisgekrönten Poetry-Slammerin Mali Carillo.  
18. 02. 2025, 20:00 Uhr, im Schlachthof: Lesung und Gespräch mit Luisa Neubauer – „Was Wäre, Wenn Wir Mutig Sind?“

Highlights Mainz
30. 10. 2024, 18:30 Uhr Mainzer Stadtbibliothek:  Jürgen Heimbach liest aus seinem Roman „Waldeck“
02. 11. 2024, 15 Uhr, Mainzer Büchermesse: Lesung der aktuellen Stadtschreiberin Julia Schoch
20. 11. 2024, 20:00 Uhr, Frankfurter Hof:  Axel Hacke – liest und erzählt 07. 12. 2024, 20:00 Uhr Kulturclub schon schön: Sascha Lange liest aus seiner Depeche Mode Trilogie
12. Februar 2025 um 18:30 Uhr, Wissenschaftliche Stadtbibliothek:
Soiree mit Rolf Hartmann „Das Leben Johann Wolfgang Goethes“

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