Kultur
100 Jahre Caligari – Eine Hommage an die Magie des Stummfilms
Das traditionsreiche Wiesbadener Kommunale Kino Caligari feiert sein hundertjähriges Bestehen mit einem ambitionierten Jubiläumsprogramm. Im Fokus stehen dabei Stummfilmklassiker, die durch Live-Musik und wissenschaftliche Einordnungen neu erlebbar gemacht werden.

Mit einer originellen Idee werden jüngere Generationen einbezogen: Die Stummfilmpianistin Barbara Lenz erarbeitet gemeinsam mit Klavierschülern der Wiesbadener Musik- und Kunstschule Begleitungen für Kurzfilme.
Zurück zu den Anfängen
Wie wichtig das Kommunale Kino Caligari für Wiesbaden ist, hat man im vergangenen Winter gemerkt. Da war es nämlich wegen einer Sanierung geschlossen, länger als ursprünglich geplant, weil während der Arbeiten Brandschutzmängel zutage traten. Sie wurden nun beseitigt. Auch sonst erhielt das traditionsreiche Filmtheater ein „Facelift“. Die Hauptsache: Es gibt wieder ein anspruchsvolles, sorgfältig ausgewähltes Arthouse-Filmprogramm.

Das Caligari-Team hat sich für das 100-jährige Jubiläum etwas Besonderes ausgedacht: einen Stummfilm-Schwerpunkt. Denn als Stummfilmkino Ufa-Palast ist es 1926 eröffnet worden. Damals waren Kinobesuche gesellschaftliche Ereignisse. Nach dem Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ ist das Kino benannt. Heute zählt es zu den wenigen vollständig erhaltenen Kinobauten der Stummfilmzeit in Hessen.
Bild und Musik im Einklang
Für die fünf Konzert-Film-Abende sind Nina Goslar und Diego Ramos verantwortlich. „Das Caligari ist ein optimaler Stummfilm-Kinoraum. Es hat eine Bühne, die groß genug ist für ein Orchester“, sagt Goslar. Stummfilme seien keine stummen Filme, sondern Performances. Die Musik war meist nicht durchkomponiert, sondern bestand aus Versatzstücken. In fünf Stummfilmkonzerten treffen nun profilierte Musiker der Gegenwart auf Filmklassiker aus dem Jahr 1926.

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Zu den Höhepunkten zählt „Der Geiger von Florenz“ mit Musik von Uwe Dierksen oder der Scherenschnitt-Trickfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, begleitet vom deutsch-iranischen Ensemble Tanava. Auch „Nach dem Gesetz“ mit Musik von Uwe Oberg und „Dancing Mothers“ mit Maud Nelissen versprechen ein intensives Erlebnis.
Eintauchen in Glanz und Glamour

Den Abschluss der Reihe bildet ein Gala-Abend am 20. Dezember. Er orientiert sich an historischen Kino-Galas, bei denen dem Hauptfilm Show und Kurzfilme vorausgingen. Höhepunkt ist Buster Keatons „Sherlock Junior“, begleitet von einer Kino-Band unter der Leitung von Diego Ramos.
Stummfilm für die nächste Generation
Mit einer originellen Idee werden jüngere Generationen einbezogen: Die Stummfilmpianistin Barbara Lenz erarbeitet gemeinsam mit Klavierschülern der Wiesbadener Musik- und Kunstschule Begleitungen für Kurzfilme. Dabei lernen die Jugendlichen, auf Bilder zu reagieren und Musik als lebendiges Element zu improvisieren.

Filmgeschichte und Zeitgeschichte
Der Mainzer Musikwissenschaftler Dr. Dietrich Stern beleuchtet zudem in Vorträgen die Bedeutung von Filmmusik über das Stummfilmgenre hinaus. Dabei stellt sich das Kino auch seiner eigenen Geschichte, inklusive der Zeit der Gleichschaltung unter den Nationalsozialisten. Das Jubiläumsprogramm schlägt so einen Bogen von den Anfängen des Lichtspielhauses bis in die Gegenwart und beweist, dass Stummfilm weit mehr als Nostalgie ist.
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Autor:in
Anja Baumgart-Pietsch
